Wie heizt eine Klimaanlage?

Schema: Außengerät nimmt Wärme aus der Außenluft auf, Kältemittel transportiert sie zum Innengerät, das warme Luft in den Raum bläst
Heizbetrieb einer Split-Klimaanlage · vereinfachtes Schema

Im Sommer transportiert die Anlage Wärme aus dem Raum nach draußen. Im Heizbetrieb dreht ein Ventil den Kältekreis um: Das Außengerät nimmt Wärme aus der kalten Außenluft auf, der Verdichter hebt sie auf ein höheres Temperaturniveau, und das Innengerät gibt sie als warme Luft an den Raum ab.

Der Strom wird dabei vor allem für den Verdichter gebraucht, nicht für die Wärme selbst. Deshalb entsteht mehr Wärme, als Strom hineingeht. Das Verhältnis heißt Leistungszahl; über die ganze Heizsaison gemittelt steht es als SCOP auf dem Energielabel.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bildet sich am Außengerät Reif. Die Anlage taut ihn regelmäßig ab und pausiert dafür kurz. Das Tauwasser muss frostfrei ablaufen können – ein Detail, das bei der Montage geplant werden sollte.

Was kostet eine Kilowattstunde Wärme?

Entscheidend ist nicht der Strompreis allein, sondern der Preis pro Kilowattstunde Wärme. So rechnen Sie ihn aus:

Rechenbeispiel · frei gewählte Annahmen0,35 €/kWh Strom ÷ 4,0 = 0,088 € je kWh Wärme

Zum Vergleich Gas: 0,11 €/kWh ÷ Kesselnutzungsgrad 0,9 = 0,122 € je kWh Wärme. Bei einer mittleren Effizienz von 4 ist die Klimaanlage in diesem Beispiel also rund ein Viertel günstiger. Setzen Sie Ihre eigenen Tarife ein.

Kosten je kWh Wärme bei 0,35 €/kWh Strom
Effizienz der KlimaanlageKosten je kWh WärmeVergleich mit Gas (0,122 €)
4,0 – milde Übergangszeitca. 0,09 €günstiger
3,0 – kühler Wintertagca. 0,12 €etwa gleich
2,0 – starker Frostca. 0,18 €teurer

Die Faustregel daraus: Heizen mit der Klimaanlage lohnt sich, solange ihre Effizienz über dem Verhältnis Strompreis ÷ Wärmepreis der Zentralheizung liegt. In diesem Beispiel liegt die Grenze bei 0,35 ÷ 0,122 ≈ 2,9. Mit einem günstigeren Wärmepumpentarif oder eigenem Solarstrom sinkt sie.

Im Vergleich zum elektrischen Heizlüfter ist der Unterschied noch deutlicher: Der macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme.

Was zeigen echte Beispiele?

Das Umweltbundesamt hat zwei Haushalte dokumentiert, die mit Split-Klimaanlagen heizen. Die Zahlen beruhen teils auf Planwerten und Schätzungen der Betreiber.

Zwei dokumentierte Praxisbeispiele
Altbau-MietwohnungZweifamilienhaus von 1978
Gebäude70 m², unsaniert, vorher Gasofen150 m², unsaniert, Gasbrennwerttherme bleibt
AnlageSplit-Gerät, 5 kW Heizleistungzwei Außengeräte, fünf Innengeräte
Verbrauchrund 2.000 kWh Strom/Jahr statt rund 10.000 kWh Gasrund 2.140 kWh Strom/Jahr, Gas nur bei Kälte
BetriebHauptheizung der Wohnungüber 0 °C Wärmepumpe, unter 0 °C Gas zugeschaltet, unter −5 °C nur Gas
ErfahrungWohnzimmer angenehm; Räume ohne Innengerät werden über offene Türen schlecht mitbeheiztnach drei Heizperioden bewährt

Beide Beispiele zeigen das typische Muster: Die Klimaanlage übernimmt einen großen Teil der Heizarbeit, sobald es nicht zu kalt ist. Wer dauerhaft komplett umsteigt, muss mit Komforteinbußen in Nebenräumen und beim Warmwasser rechnen.

Quelle: Umweltbundesamt: Klimaanlage als dezentrale Luft-Wärmepumpe für eine Altbauwohnung.

Quelle: Umweltbundesamt: Luft-Luft-Wärmepumpen ergänzen Gasheizung.

Wo liegen die Grenzen?

  • Kein Warmwasser: Dafür braucht es weiter die Zentralheizung, einen Durchlauferhitzer oder einen Speicher.
  • Nur Räume mit Innengerät: Küche, Bad und Kinderzimmer bleiben kühler, wenn dort kein Gerät hängt.
  • Warme Luft statt Strahlungswärme: Ein hoch montiertes Wandgerät bläst warme Luft unter die Decke; mancher empfindet die Luftbewegung als Zug. Zum Heizen sind bodennahe Truhengeräte oft angenehmer.
  • Effizienz bei Frost: Je kälter die Außenluft, desto geringer Leistung und Leistungszahl.
  • Laufzeit des Außengeräts: Im Winter läuft es länger und auch nachts. Der Aufstellort sollte Nachbarfenster berücksichtigen.
  • Netzbetreiber: Klimaanlagen und Wärmepumpen mit zusammen mehr als 4,2 kW elektrischer Leistung, die seit 2024 in Betrieb gehen, müssen als steuerbare Verbraucher angemeldet werden.

Quelle: Verbraucherzentrale: Wärmepumpenstrom und steuerbare Verbraucher.

So nutzen Sie die Klimaanlage sinnvoll als Heizung

  • In der Übergangszeit von Herbst und Frühjahr die Klimaanlage heizen lassen und die Zentralheizung später einschalten.
  • Im Raum mit Innengerät die Thermostatventile der Heizkörper herunterdrehen, sonst heizen beide Systeme gegeneinander.
  • Gleichmäßige Temperatur halten statt stark absenken und schnell aufheizen.
  • Filter im Innengerät regelmäßig reinigen; verstopfte Filter kosten Leistung.
  • Stromverbrauch über App oder Zwischenzähler festhalten und mit dem Gasverbrauch vergleichen.

Bei Heizkörpern, die nicht richtig warm werden, hilft die Klimaanlage nur als Umweg. Die Ursachen klärt unser Beitrag Heizkörper wird nicht warm.

Gibt es eine Förderung?

Luft-Luft-Wärmepumpen können über die Bundesförderung für effiziente Gebäude gefördert werden, wenn das Gerät auf der Liste der förderfähigen Anlagen steht und die Bedingungen erfüllt sind – etwa beim Ersatz einer alten Heizung. Die Regeln haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf den aktuellen Stand und stellen Sie den Antrag rechtzeitig.

Soll die Klimaanlage die bestehende Heizung ganz ersetzen, gelten zusätzlich die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Das sollte vor der Entscheidung geprüft werden. Für eine größere Lösung lohnt der Vergleich mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe im Altbau.

Quelle: Verbraucherzentrale: Wärmepumpen im Vergleich.

Kurz erklärt

Häufige Fragen

Ab welcher Außentemperatur lohnt sich das Heizen mit der Klimaanlage nicht mehr?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Es lohnt sich, solange die Effizienz des Geräts über Strompreis geteilt durch Wärmepreis Ihrer Zentralheizung liegt. Viele Geräte heizen laut Datenblatt auch bei starkem Frost, dann aber mit geringerer Effizienz.

Kann eine Klimaanlage die Gasheizung ganz ersetzen?

In kleinen, offenen Wohnungen ist das möglich, wie das Beispiel des Umweltbundesamts zeigt. In Häusern mit vielen Räumen und Warmwasserbedarf ist sie meist als Ergänzung sinnvoller.

Ist Heizen mit der Klimaanlage günstiger als mit einem Heizlüfter?

Ja, deutlich. Ein Heizlüfter macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, eine Klimaanlage je nach Bedingungen mehrere.

Wird die Raumluft beim Heizen zu trocken?

Warme Luft kann relativ trockener wirken. Regelmäßiges Lüften, moderate Temperaturen und eine nicht direkt auf Personen gerichtete Luftführung helfen.

Muss eine Klimaanlage, die auch heizt, öfter gewartet werden?

Sie läuft deutlich mehr Stunden im Jahr. Filter sollten öfter gereinigt und die Anlage regelmäßig durch einen Fachbetrieb geprüft werden, einschließlich Kondensatablauf am Außengerät.

Quellen und Einordnung

Recherche und Quellenabgleich: . Die folgenden Fach- und Verbraucherinformationen unterstützen die Einordnung. Rechenbeispiele beruhen auf frei gewählten Annahmen; Herstellerangaben sind auf das jeweilige Modell zu beziehen. Der Beitrag ersetzt keine Prüfung vor Ort.

Herausgeber: Haustechnik Krause. Redaktionell mit KI-Unterstützung aufbereitet; keine dokumentierte Fachabnahme vor Ort.